Minimalismus? Was ist das denn?

Nutze die Möglichkeiten…

Über kaum ein Begriff, ein Wort, eine Lebenseistellung, Philosophie und so weiter wurde und wird mehr geschrieben, gepostet und gebloggt. Es gibt unendlich viele Sichtweisen, Einstellungen und Meinungen dazu. Mehr rein zufällig als denn bewusst bin ich vor einiger Zeit über dieses Thema gestolpert.
Ich glaube, der Auslöser, mich damit näher zu beschäftigen, war die Vereinigung vielfältiger Funktionen und Möglichkeiten in einem Smartphone.

Zu Beginn dieser Ära hat es mich nicht so wirklich interessiert. Apple, I-Phone und das Aufkommen sozialer Medien hielt ich mehr für einen Fluch denn einen Segen. Die Vorstellung, dass Menschen stundenlang jeden Tag an mindestens 5 Tagen in der Woche vor dem PC sitzen und alles mit jedem teilen, um ihrem tristen Dasein eine Beschäftigung zu geben, finde ich bis heute erschreckend. Vorläufiger Höhepunkt ist dann die vollumfängliche Vernetzung mit allen Geräten, die man so besitzt. Handy, Tablet, Laptop (gerne noch ein kleines zweites, z.B. ein Ultrabook) und so fort. Alles „Cloud sei Dank“ mit dem gleichen, vollsynchronisierten Inhalten. Damit man ja nichts und niemanden verpasst.

Doch ich schweife ab. Klar soweit, am Anfang war ich ein Smartphonemuffel und bin es, was mein telefonisches Aufkommen angeht, immer noch. Aber, und das ist der eigentliche Punkt; es vereint verschiedene Geräte miteinander. Noch vor zehn Jahren brauchte man ein Handy zum Telefonieren, einen vernünftigen MP3-Player, eine ordentliche Kamera und ein Navi. Je nach Beruf noch ein Palm und ein Diktiergerät. Das sind mindestens mal 4-6 zusätzliche Gerätschaften, die man mit sich herumtragen und daten- wie stromtechnisch managen musste.

Und heute? Tja Leute, Minimalismus! Alles in einem Gerät. Die Kamera verstaubt im Schrank, das letzte Navigon habe ich verschenkt. So kann es gehen.

Ist das Minimalismus? Und wenn ja, dann hat er also viele Formen, Möglichkeiten und Ideale. Aber niemals ein Patentrezept für alle. Und damit kommt man zum Kern der Sache.

Minimalismus kann als Lebenseinstellung bezeichnet werden und beinhaltet die Reduzierung auf das Wesentliche. Also der Gebrauch und der Nutzen von physischen und psychischen Werten, die in erster Linie nur für das eigene Ich einen Mehrwert haben.

Ich greife noch einmal das Beispiel mit dem Smartphone auf. Es vereint viele Geräte und Dienste der Vergangenheit in einem. Auch diese Zeilen lassen sich mit Google´s „Sprache in Text“ erzeugen und als Zugang nutzt man die WordPress App und voila, purer Minimalismus.

Doch halt, ich muss zugeben, diese Zeilen habe ich am Laptop geschrieben weil auch dieser einen Mehrwert darstellt. Jedoch nicht als Gerät zum Vorzeigen an andere oder als Status, sondern weil es einfach bequemer ist und das Leben, sprich das Schreiben, erleichtert.

Ihr seht, ein kleiner Beweis dafür, das Minimalismus nicht gleichbedeutend mit radikalem „Weglassen“ zu sehen ist.

Erkennt ihr denn auch, was das bedeutet? Nur „bewaffnet“ mit einem Laptop, einem Smartphone, Internetverbindung und Stromquelle ausgerüstet, ist dank technologischen Fortschritts jeder halbwegs gebildete Mensch in der Lage, weltweit aktiv zu sein.

Krasser Minimalismus

Und so gesehen ist doch jeder Mensch auf seine Art ein Minimalist. Selbst ein Multimillionär mit zehn Autos, zwanzig Häusern, zwei Jachten, einem Learjet und einem Helikopter kann sich, so pervers das auch klingen mag, als Minimalist bezeichnen. Eben darum, weil er nicht wie sein doppelt so reicher Nachbar von allem doppelt so viel hat. Weil er denkt, das wäre übertrieben.

Die meisten von euch schütteln wahrscheinlich jetzt den Kopf. Und doch wisst ihr, dass ich Recht habe.

Was ist denn nun dieser so oft erwähnte Minimalismus? Nachdem ich etliche Homepages und Foren dazu in Augenschein genommen habe muss ich ehrlich gestehen:

Ich weiß es nicht wirklich und habe vielmehr nur eine Ahnung. Daher kann ich es nur für mich selber formulieren:

Minimalissmus ist die Reduktion auf das Wesentliche, doch ist weniger wirklich mehr?

Das Wesentliche ist für jeden Menschen etwas anderes und lässt sich meiner Meinung nach nicht in Zahlen definieren. Doch am Anfang steht immer das persönliche Ausmisten. Nach etlichen Gedanken unterscheide ich heute zwischen dem physischen und dem psychischen Ausmisten. Und weil es einfacher ist und jeder es auch so machen kann, nicht muss, beginne ich mit den physischen Besitztümern. Hier muss noch unterschieden werden zwischen Mann und Frau. Frauen werden es sehr viel schwerer haben, da sie trotz proppevoller Schränke ihrer Meinung nach fast nie etwas zum Anziehen finden.

Ich zum Beispiel fing mit meinem Kleiderschrank an. Links Sommer, rechts Wintersachen. Es ging damals auf den Sommer zu, also die Dinge zuerst.

Unterwäsche:
Was nichts mehr ist, ab in die Tonne. Was übrig bleibt, abzählen. 14 Tage Vorlauf sind angedacht bei einmal in der Woche zum Waschen. Passt.

Socken:
Die gleiche Vorgehensweise. Passt.

T-Shirts + Hemden + Krawatten:
Zu 90 % trage ich Shirts. Die haben Vorrang. Menge passt, was nix mehr ist landet als Putzlumpen im Keller. Wenn es überwiegend aus Baumwolle ist. Hemden sind nur ein Notnagel für berufliche Zwecke. Krawatten habe ich zum Glück keine. Braucht man selbst in vielen Spielbänken nicht mehr.

Hosen:
Wieder der gleiche Ablauf. Einen Unterschied mache ich hier jedoch bei den Größen. Was momentan passt bleibt, was zurzeit nicht passt wird nur aussortiert. Warum? Ganz einfach. Entsorge ich diese 2 Hosen habe ich im Moment mehr Platz und weniger Sachen. Muss aber mitunter etwas später, je nach Ursache, Zeit und Geld aufwenden für etwas, was ich schon hatte. Ihr seht, Minimalismus heißt nicht alles entsorgen oder verschenken. Es muss auch vorausgeplant werden.

Jacken:
Meine Fresse. Ich bin ein Jackenfetischist. Drei Lederjacken, ein Ledermantel, zwei Stoffjacken, eine Fleecejacke, zwei Strickjacken. Hier habe ich jetzt sortiert. Die Hälfte reicht auch.

Anzüge:
Gibt es derer drei. Trage ich nur als beruflichen Notnagel und eher selten.

Schuhe:
Kaufe ich gerne. Je nach Style immer etwas ausgefallen. Da zähle ich 11 Paare. Hammer. Da sie alle passen und gut sind bleiben sie. Aber ich werde jetzt erst einmal einige Paare auftragen. Das heißt konkret, dass ich in den nächsten 1 ½ Jahren keine mehr kaufen werde. Ich versuche es. Denn seien wir mal ehrlich; alles kann man nur einmal tragen. Keiner trägt 2 T-Shirts oder drei Hemden über- oder untereinander.

So, das war erst einmal ein Anfang. Am Ende waren es drei 60L-Beutel voll mit Klamotten, die mal Geld gekostet haben, die Zeit in Anspruch nahmen um sie zu erwerben, am Ende Platz belegten und vor Ablauf ihrer Haltbarkeit entsorgt wurden. Ist das nicht eigentlich unsinnig?

Drei Monate später ist mein Schrank immer noch sehr übersichtlich und das Beste ist, das absolut nichts fehlt. Ich bin begeistert. Schuhe habe ich immer noch 11 Paare.

Fazit:

Wenn man Minimalismus für sich selber definiert, wird man feststellen, dass vieles vollkommen überflüssig ist. Ein trockenes und warmes Plätzchen mit Bett, Küche, Bad und kleinem Raum zum gemütlichen Entspannen ist mehr als ausreichend.

Meiner Meinung nach ist ein möglicher Grund, warum der Mensch immer höher und weiter hinaus will und nach immer mehr Konsum strebt, darin zu sehen, anderen zu zeigen, was er hat und/oder bisher erreicht hat. Urzeitlich aus Jägern und Sammlern hervorgegangen, mit der zwischenzeitlichen Tendenz zum käuflichen Erwerb von Dingen, die ausschließlich zum Leben notwendig sind,  ist der frühere Homo Sapiens durch den Homo Shopikus Idiotus verdrängt worden.

Dieser Typus kauft Dinge die er nicht wirklich braucht, mit Geld, das er oft nicht hat. Entsprechend der Menge braucht es dann eine große Wohnung mit viel Platz und vielen Möbeln um diese Dinge zu lagern. Dazu noch ein großes und teures Fahrzeug um alles zu transportieren.

Wenn man dies verinnerlicht hat, wird man erkennen, wie wenig man selber wirklich braucht. Die oft zitierte und vielbeschworene Formel „Weniger ist mehr“ bezeichne ich eher als ein absurdparadoxes Konstruct von Menschen, die die Kontrolle über ihr eigenes Leben verloren haben.  

Daher sage ich es noch einmal: Minimalismus ist nicht der Verzicht auf alles, was man nach Meinung andere nicht braucht, sondern nur der Verzicht auf Dinge, die einen selber unwichtig sind. Behaltet das, was für euch alleine einen Mehrwert darstellt und euer eigenes Leben bereichert. Dann, und nur dann sollte es heißen:

Weniger ist (M) mehr (wert).

Denn wie schon Eingangs erwähnt; auch ein Multimillionär kann sich als Minimalist bezeichnen. Fangt nur nicht an zu jammern, wenn ihr vor lauter Besitzstands- und Statuspflege keine Zeit mehr zum Leben habt…

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